Manufakturen und digitale Exzellenz

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Schildhauer spricht über die neuen Herausforderungen für Manufakturen in der digitalen Welt. Er ist Informatiker, Marketingexperte und Internet Forscher sowie Inhaber der Universitätsprofessur Electronic Business mit Schwerpunkt Marketing an der Universität der Künste, Berlin. Schildhauer gründete 1999 und leitet seitdem als Direktor das größte An-Institut der Universität der Künste Berlin, das Institute of Electronic Business e.V. (IEB). Als Geschäftsführender Direktor des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft gGmbH forscht Prof. Schildhauer transdisziplinär insbesondere über das Themenfeld „Internet enabled innovation“. Das IEB ist assoziierter institutioneller Partner der Handmade in Germany World Tour.

Wie sind Manufakturen aus Ihrer Sicht digital aufgestellt?


Aktuell sind Manufakturen und Hersteller von Premiumprodukten oft noch zurückhaltend in Bezug auf ihre digitalen Aktivitäten. Das kommt insbesondere aus der Überlegung, dass die Vorzüge und Besonderheiten dieser Art von Produkten am Besten über das persönliche Kennenlernen und den persönlichen Kontakt vermittelt werden können. Aufgrund der fortschreitenden Durchdringung des Marktes mit Smartphones und Tablets ist es jedoch angeraten, dass auch die Hersteller von Luxusgütern ein klare Strategie zur Präsenz in den digitalen Medien haben.

Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich für diese speziellen Produkte im Internet?


Es geht in erster Linie darum, die Besonderheit dieser Produkte auch in den digitalen Raum zu transportieren. Hierbei ist besonders darauf zu achten, Interessenten und Kunden, die bereits das entsprechende Produkt „erlebt“ haben, die Möglichkeit zu geben, über die Informations- und Kaufangebote um Internet einen erwarteten, qualitativ hochwertigen Service im digitalen Raum anzubieten, um das Produkterlebnis auch hier authentisch zu vermitteln.

Wenn eine Manufaktur sich stärker im Exportgeschäft engagieren will, was muss sie tun?


Zunächst sind die logistischen Voraussetzungen zu klären und sicherzustellen, dass eine Lieferung in die gewünschten Exportländer ohne Qualitätsverlust gewährleistet werden kann. Dann muss ich die Manufaktur mit den Instrumenten des Online Marketing intensiv auseinandersetzen, um in dem entsprechenden Land auffindbar für die gewünschte Kundenzielgruppe zu werden. Hierzu zählen beispielsweise ein systematisches Suchmaschinenmarketing und eine Suchmaschinenoptimierung.

Welche Trends werden uns in der kommenden Zeit beschäftigen?


Die Entwicklung zur sogenannten ganzheitlichen, kommunikationskanal-übergreifenden Kommunikation ist ein wesentlicher struktureller und auch technischer Trend. Der Kunde und Interessent erwartet eine einheitliche, abgestimmte und ganzheitliche Kommunikation, die den physischen Verkaufsraum mit einem Informationsangebot auf dem Tablet oder Smartphone markenadäquat integriert. Dabei ist der immer stärker werdende sogenannte ROPO Effekt, der insbesondere für High End – und Luxusgüteranbieter von Bedeutung: Research Offline, purchase Online. Das deutet darauf hin, dass auch die zahlungskräftige Kundenzielgruppe die digitalen Medien im Informations- und Kaufprozess immer häufiger nutzt.

Die Handmade-in-Germany-Ausstellung bringt deutsche Manufakturen an viele wirtschaftlich spannende Orte in der Welt. Das Institute of Electronic Business begleitet diese Tour in Fragen der „Digital Excellence“. Welche Hilfestellungen kann das IEB den teilnehmenden Manufakturen geben?


Mit Hilfe eines speziell für High End Produktanbieter und Manufakturen vom Institute of Electronic Business entwickelten „Digital Business Index“ können die Manufakturen sich in Bezug auf ihre digitale Präsenz einmessen lassen und bekommen gute und pragmatische Tipps, wie und an welcher Stelle sie optimieren können. Hierbei kann es auch insbesondere um die Fragen der individuell relevanten – digitalen – Schritte gehen, die für die erfolgreiche übernationale Präsenz wichtig sind.